
Um zu verstehen, wie aus illegalen Erlösen scheinbar sauberes Vermögen wird, nutzen Behörden und Fachwelt ein Modell mit drei Phasen. Es ist international etabliert und wird von Behörden und Fachwelt einheitlich verwendet – unter anderem von der Financial Action Task Force (FATF) und dem UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Es ist kein gesetzlich definierter Begriff, sondern ein Analyseraster. Rechtlich bleibt Geldwäsche eine Straftat nach § 261 StGB, auf den auch § 1 Abs. 1 GwG verweist. Die drei Phasen sind:
In der Praxis überlappen die Phasen; nicht jeder Fall durchläuft alle drei sauber getrennt. Als Ordnungsraster helfen sie dennoch, typische Warnsignale einzuordnen.
In der Platzierungsphase geht es darum, meist bar erlangte Beträge in den legalen Kreislauf zu bringen – der riskanteste Schritt, weil das Geld hier noch am nächsten an der Vortat ist. Typische Muster sind die Umwandlung von Bargeld in Buchgeld durch Einzahlungen, der Barkauf hochwertiger Güter oder die Einspeisung über bargeldintensive Betriebe wie Gastronomie oder Spielhallen. Häufig wird das sogenannte Smurfing (Structuring) eingesetzt: die Stückelung großer Summen in viele kleine Beträge knapp unterhalb von Melde- oder Identifizierungsschwellen. Nicht selten treten dabei Strohleute oder angeworbene „Finanzagenten" auf.
Ziel der Verschleierungsphase ist es, die Belegkette (den „Paper Trail") zu durchbrechen. Dazu werden zahlreiche, oft grenzüberschreitende Transaktionen über verschiedene Konten, Personen und Jurisdiktionen geschichtet. Eingesetzt werden etwa Scheinfirmen, fingierte Rechnungen sowie – zunehmend – Krypto-Transfers und Anonymisierungsdienste wie Krypto-Mixer, die das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2024 des Bundeskriminalamts (BKA) als wachsendes Phänomen beschreibt. Je komplexer und internationaler die Kette, desto schwerer ist die Herkunft nachzuvollziehen.
In der Integrationsphase erscheint das Vermögen legal und wird in den regulären Wirtschaftskreislauf zurückgeführt – etwa durch den Erwerb von Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder Luxusgütern sowie über fingierte Darlehen und Rechnungen. Weil das Geld nun eine plausible „Legende" hat, ist Geldwäsche in dieser Phase am schwersten zu erkennen. Umso wichtiger ist das frühzeitige Erkennen von Auffälligkeiten in den ersten beiden Phasen.
Das Modell ist mehr als Theorie: Es strukturiert, an welchen Stellen im Geschäftsalltag Warnsignale auftreten und wo Sorgfaltspflichten ansetzen. Wie relevant das Erkennen ist, zeigen die Zahlen der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU): 2024 gingen rund 265.700 Verdachtsmeldungen ein, aus denen 87.731 Analyseberichte an Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden hervorgingen (FIU-Jahresbericht 2024). Grundlage bleibt die strafrechtliche Definition der Geldwäsche. Welche konkreten Auffälligkeiten je Phase auftreten, bündelt der Überblick zu den Red Flags der Geldwäsche. Einen Überblick über weitere Beiträge rund um Sorgfaltspflichten, Schulungspflicht und Meldewesen bietet der Themen-Hub Geldwäscheprävention.
Mitarbeitende erkennen solche Muster nur, wenn sie dafür sensibilisiert sind – genau das ist Gegenstand einer GwG-Pflichtschulung.
Hinweis in eigener Sache: Für dieses Pflichtthema stellt Bridgly ein fertiges, standardisiertes E-Learning bereit, das sich über das LMS ausrollen lässt und dessen Abschluss dokumentiert wird. Ob Umfang und Tiefe im Einzelfall ausreichen, richtet sich nach der Risikosituation des jeweiligen Verpflichteten.
Nein. Das Drei-Phasen-Modell ist kein Gesetzestext, sondern ein international anerkanntes Analyseraster, das u. a. von FATF und UNODC verwendet wird, um typische Geldwäsche-Abläufe einzuordnen. Rechtlich maßgeblich bleibt § 261 StGB, auf den auch § 1 Abs. 1 GwG verweist; das Modell hilft nur, Auffälligkeiten den passenden Phasen zuzuordnen.
Smurfing (auch Structuring genannt) bezeichnet die gezielte Aufteilung großer Bargeldsummen in viele kleine Einzelbeträge knapp unterhalb gesetzlicher Melde- oder Identifizierungsschwellen, um eine Prüfung oder Verdachtsmeldung zu vermeiden. Es ist ein typisches Muster der Placement-Phase und wird häufig über mehrere Konten oder mithilfe von Strohleuten organisiert.
In der Integrationsphase, weil das Vermögen dort bereits eine plausible legale Herkunft vorweist – etwa durch Immobilienkäufe oder Unternehmensbeteiligungen. Auffälligkeiten lassen sich deutlich leichter in den vorgelagerten Phasen Placement und Layering erkennen, etwa bei ungewöhnlichen Bareinzahlungen oder komplexen Transaktionsketten. Genau hier setzt eine gute Sensibilisierung an.
Einblicke in das digitale Lernen der Zukunft mit Fokus auf KI, Compliance und moderne Schulungslösungen. Entdecken Sie die neuesten Beiträge und aktuelle Artikel, um praxisnahe Insights zu rechtssicherer, effizienter und automatisierter Weiterbildung im Unternehmen zu erhalten.
Hinweis: Texte, Bilder und Videos auf dieser Website wurden teilweise mit Künstlicher Intelligenz generiert.
Alle Inhalte dienen der Information und wurden sorgfältig journalistisch geprüft, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder rechtliche Verbindlichkeit.