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Was ist Blended Learning? Definition, Modelle und Vorteile

Bridgly Redaktion
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5
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Seminarraum im Mittelstand: Trainerin am Whiteboard, Teilnehmende lernen mit Laptop-Lernplattform und gedruckten Unterlagen
Inhaltsverzeichnis

Blended Learning in einem Satz

Blended Learning bezeichnet Lernangebote, die Präsenzlernen und online vermittelte Inhalte didaktisch geplant miteinander kombinieren. Die viel zitierte Definition aus dem Handbook of Blended Learning von Bonk und Graham aus dem Jahr 2006 spricht von Systemen, die Präsenzunterricht mit computervermitteltem Unterricht verbinden. Das Christensen Institute (damals Innosight Institute) ergänzt in seiner Taxonomie von 2012 ein zweites Merkmal: Lernende steuern Zeit, Ort, Lernpfad oder Tempo zumindest teilweise selbst. Das Bundesinstitut für Berufsbildung fasst es im Datenreport 2022 als „didaktisch zielgerichtete Kombination von Präsenz- und Onlinephasen" zusammen.

Der Begriff stammt nicht aus der Schule, sondern aus der betrieblichen Weiterbildung. Eine der frühesten belegten Verwendungen ist laut der Begriffsgeschichte von Norm Friesen aus dem Jahr 2012 eine Pressemitteilung des Anbieters EPIC Learning vom März 1999. Im Deutschen kursieren daneben die Bezeichnungen integriertes Lernen und hybrides Lernen.

Blended Learning, hybrides Lernen, E-Learning: die Abgrenzung

Die Begriffe werden uneinheitlich benutzt. Das Leibniz-Institut für Wissensmedien behandelt auf e-teaching.org hybrides Lernen als Synonym für Blended Learning und ordnet alle Szenarien dazu, die weder ausschließlich vor Ort noch ausschließlich online stattfinden. Das Hochschulforum Digitalisierung nennt Formate, bei denen ein Teil der Gruppe im Raum sitzt und ein Teil zeitgleich zugeschaltet ist, „hybride synchrone Lehre". Das Glossar des österreichischen Erwachsenenbildungsportals erwachsenenbildung.at reserviert „hybrid" für genau dieses synchrone Format und empfiehlt für den zeitlichen Wechsel zwischen Präsenz- und Onlinephasen den Begriff Blended Learning.

Wo Blended Learning aufhört und reines Onlinelernen beginnt, regelt keine Norm. Eine in der Forschung verbreitete Konvention, die die AG Psychologie des Hochschulforums Digitalisierung zitiert, setzt den Onlineanteil bei Blended Learning zwischen 30 und 79 Prozent an. Darüber gilt ein Angebot als Online-Lehre, darunter als medial angereicherter Präsenzunterricht. Reines E-Learning ohne Präsenzanteil ist damit kein Blended Learning.

Die gängigen Modelle

Die meistzitierte Systematik stammt aus der Taxonomie von Heather Staker und Michael Horn für das Christensen Institute. Sie wurde für US-Schulen entwickelt, ihre vier Grundmodelle lassen sich aber auf Weiterbildung übertragen:

  • Rotationsmodell: Lernende wechseln nach festem Plan oder nach Entscheidung der Lehrkraft zwischen Lernformen, von denen mindestens eine online stattfindet. Der Flipped Classroom ist die bekannteste Variante: Inhalte werden vorab online erarbeitet, die Präsenzzeit dient Übung, Diskussion und Anwendung.
  • Flex-Modell: Inhalte und Anleitung laufen überwiegend online, eine Lehrperson ist vor Ort und unterstützt nach Bedarf.
  • Self-Blend: Einzelne Kurse werden komplett online belegt, zusätzlich zum Präsenzprogramm.
  • Enriched Virtual: Die Zeit teilt sich zwischen Terminen vor Ort und Fernlernen; ein täglicher Besuch vor Ort ist die Ausnahme.

In der betrieblichen Praxis heißt das häufig: Grundlagen und Wissensvermittlung liegen als Selbstlernmodul auf einer Lernplattform, Präsenztermine bleiben dem vorbehalten, was Anwesenheit wirklich braucht, etwa praktischen Übungen oder Erfahrungsaustausch.

Vorteile und Grenzen: was belegt ist

Die breiteste Datenbasis liefert eine Meta-Analyse des US-Bildungsministeriums aus dem Jahr 2010 mit 50 Effekten aus 45 Studien. Blended Learning schnitt gegenüber reinem Präsenzunterricht im Mittel um 0,35 Standardabweichungen besser ab, reines Onlinelernen dagegen nur um 0,05 Standardabweichungen, ein Unterschied ohne statistische Signifikanz. Die Autorinnen und Autoren warnen ausdrücklich davor, den Vorteil dem Medium zuzuschreiben: Die Blended-Bedingungen boten oft mehr Lernzeit, mehr Material und mehr Zusammenarbeit. Die meisten untersuchten Gruppen waren Erwachsene in Hochschule, Berufsbildung und betrieblichem Training.

Eine Meta-Analyse von Bernard und Kollegen aus dem Jahr 2014 bestätigt für die Hochschule einen kleinen bis mittleren Effekt von 0,33 gegenüber klassischem Unterricht. Die AG Psychologie des Hochschulforums Digitalisierung spricht von insgesamt eher kleinen Effekten. Eine Meta-Analyse von Müller und Mildenberger aus dem Jahr 2021 mit 21 Studien fand für Blended-Formate, die 30 bis 79 Prozent der Präsenzzeit ersetzen, im Mittel keinen Unterschied zum Präsenzunterricht. Häufig zitierte Prozentzahlen zur „besseren Wissensretention" konnten wir dagegen auf keine Primärstudie zurückführen. Der Vorteil von Blended Learning liegt also weniger im Medium als in der Möglichkeit, Selbstlernphasen und Präsenz nach Lernziel zu verteilen, ähnlich wie beim Microlearning, dessen Wirksamkeit ebenfalls vom Design abhängt.

Blended Learning in der betrieblichen Weiterbildung

Digitale Anteile sind in der deutschen Weiterbildung inzwischen Normalfall. Nach dem Adult Education Survey 2022 des Bundesbildungsministeriums lag die Weiterbildungsbeteiligung der 18- bis 64-Jährigen bei 58 Prozent; 72 Prozent aller Bildungsaktivitäten, formal wie non-formal, wurden mit digitalen Medien durchgeführt, nach 60 Prozent im Jahr 2020, unter den Weiterbildungsaktivitäten allein waren es 70 Prozent. Der Zuwachs kam vor allem durch Angebote, die zumindest teilweise online stattfanden. Die IW-Weiterbildungserhebung zählt für 2022 bei 76,2 Prozent aller Unternehmen digitale Lernmedien; jedes zweite weiterbildungsaktive Unternehmen nutzt firmeninterne Lernplattformen, Wissensbibliotheken, Wikis oder Foren. Schon zwischen 2015 und 2020 stieg laut Statistischem Bundesamt der Anteil der Unternehmen ab zehn Beschäftigten mit selbstgesteuertem Lernen, etwa per E-Learning, von 26 auf 42 Prozent.

Eine repräsentative Zahl, wie viele Betriebe ihre Weiterbildung ausdrücklich als Blended Learning organisieren, gibt es für Deutschland nicht. Die Expertenbefragung des mmb Instituts im Trendmonitor 2025/2026 stuft Blended Learning mit 81 Prozent Zustimmung als zentrale Lernform der kommenden Jahre ein, ist aber nicht repräsentativ. In der Weiterbildungsstudie 2024 der Bitkom Akademie gaben 35 Prozent der befragten Berufstätigen an, Blended Learning bereits genutzt zu haben und wieder nutzen zu wollen, weitere 34 Prozent würden es gerne ausprobieren.

Für Pflichtschulungen ist die Aufteilung oft naheliegend: Die Wissensvermittlung läuft als Onlinekurs, der auf einer Schulungsplattform Teilnahme und Abschluss dokumentiert, während praktische Übungen oder Rückfragen in Präsenz stattfinden. Standards wie SCORM sorgen dafür, dass die Onlinephase in jedem Lernmanagementsystem läuft und ihre Ergebnisse zurückmeldet, und beim Onboarding neuer Beschäftigter lassen sich Selbstlernmodule und Einarbeitung vor Ort nach demselben Muster verzahnen.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Blended Learning und hybridem Lernen?

Beide Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet, etwa auf e-teaching.org. Das Glossar des Erwachsenenbildungsportals erwachsenenbildung.at unterscheidet dagegen: Blended Learning meint den zeitlichen Wechsel zwischen Präsenz- und Onlinephasen, hybrides Lernen die gleichzeitige Teilnahme vor Ort und per Zuschaltung, die das Hochschulforum Digitalisierung „hybride synchrone Lehre" nennt. Wer präzise sein will, sagt dazu, ob die Phasen nacheinander oder parallel laufen.

Ist Blended Learning besser als reiner Präsenzunterricht?

Meta-Analysen finden kleine oder keine Vorteile. Die Auswertung des US-Bildungsministeriums von 2010 ermittelte einen mittleren Effekt von 0,35 Standardabweichungen, die Blended-Gruppen hatten aber häufig mehr Lernzeit und Material. Müller und Mildenberger fanden 2021 bei 30 bis 79 Prozent ersetzter Präsenzzeit im Mittel keinen Unterschied zum Präsenzunterricht. Entscheidend ist das didaktische Design, nicht das Medium.

Wie viel Online- und wie viel Präsenzanteil braucht Blended Learning?

Eine verbindliche Vorgabe gibt es nicht. In der Forschung ist die Konvention von Allen, Seaman und Garrett aus dem Jahr 2007 verbreitet, die Blended Learning bei einem Onlineanteil von 30 bis 79 Prozent ansetzt. Das Christensen Institute verlangt nur, dass Lernende zumindest teilweise online lernen und dabei Zeit, Ort, Pfad oder Tempo mitbestimmen. In der Praxis richtet sich die Aufteilung nach dem Lernziel: Wissen online, Übung und Austausch in Präsenz.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 03.09.2026, soweit im Eintrag nicht anders angegeben. Studien- und Statistikwerte tragen ihr Bezugsjahr im Eintrag.

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